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10 Fragen an Nina Hohnsbeen zum Modellprojekt in Waabs

· Camping in Deutschland,Interviews

10 Fragen an Nina Hohnsbeen zum Modellprojekt in Waabs

Mit Weitblick: Nina Hohnsbeen über die Herausforderungen des Modellprojektes für den Ostseecampingplatz Familie Heide in Waabs. Der Campingplatz  ist als eine von vier Regionen in Schleswig-Holstein als Tourismus-Modellprojekt ausgewählt worden. Nina verrät uns, wie es zur Genehmigung kam, wie das neue Konzept aussieht und welche Rolle hierbei digitale Lösungen spielen!

Hintergründe zum Modellprojekt

#1: Liebe Nina, bitte stelle dich und den Ostsee-Campingplatz Familie Heide kurz vor.

Ich bin Nina Hohnsbeen, 19 Jahre alt und mache seit  Februar diesen Jahres meine Ausbildung zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit auf dem Ostseecampingplatz in Waabs. Der Ostseecampingplatz Familie Heide ist - wie der Name schon sagt - ein familiengeführter Campingplatz in dritter Generation mit ca. 600 Jahresgästen und über 270 Urlaubsplätzen. Für die Familie Heide - und natürlich uns als Mitarbeitern - steht der Gast immer im Mittelpunkt und wir geben tagtäglich unser Bestes, einen persönlichen und vertrauensvollen Umgang zu allen unseren Gästen zu pflegen. Hierbei möchten wir unvergessliche Campingerlebnisse zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis gewährleisten und gleichzeitig fair und verantwortungsvoll mit unseren regionalen Lieferanten, Mitbewerbern und natürlich unserer Umwelt umgehen.

#2: Ihr seid als eine von vier Regionen in Schleswig-Holstein als Tourismus-Modellprojekt ausgewählt worden. Was bedeutet das für euch und wie lief der Bewerbungsprozess ab?

Der direkte Bewerber für das Modellprojekt war unsere lokale Tourismus-Organisation, die Ostseefjord Schlei GmbH. Sie hat unsere besondere Eignung als Modellregion aufgezeichnet und  geplant, wie ein sicherer Tourismusbetrieb auf unserem Campingplatz gewährleistet werden kann. Hierbei wurden  auch die allgemeinen  Voraussetzungen in einem großen Konzept festgelegt. Ein besonderes Augenmerk lag hierbei natürlich auf dem Umgang mit positiven Testergebnissen und der allgemeinen Herausforderung, überhaupt regelmäßige Corona-Testungen durch eine gute Infrastruktur ermöglichen zu können. Jeder Betrieb musste zudem im Voraus sein eigenes Schutz- und Hygienekonzept vorlegen  und genehmigen lassen, sowie eine Verpflichtungserklärung zur Einhaltung sämtlicher Regelungen unterschreiben. Alle Ausarbeitungen wurden schlussendlich an das Land Schleswig-Holstein übergeben, welches wir überzeugen konnten, als Schlei-Region zusammen mit Eckernförde als eine der vier Modellregionen zu starten.

© Photo: Ostsee-Campingplatz Familie Heide (https://www.waabs.de/)

#3: Wie sieht euer Hygienekonzept im Zuge des Modellprojekts aus? 

Unsere Hygienekonzepte für den Ostseecampingspatz und die Paul Heide Grundstücksgesellschaft, in welcher die Ferienhäuser berücksichtigt werden, bauen primär auf den geltenden Abstandsgeboten, verstärkten Hygienevorschriften und der Luca-App auf. Zudem wurde eine Handlungsempfehlung des BVCD zur Wiedereröffnung von Camping- und Wochenendplätzen veröffentlicht, an der wir uns gut orientieren konnten. Durch eine gute Beschilderung und Lenkung der Gästeführung für alle nötigen Bereiche, wie beispielsweise der Rezeption und den Sanitäranlagen, aber auch an Spielplätzen oder dem Müllplatz, wird das Hygienekonzept so für jeden Gast an vielerorts sichtbar gemacht. Gemeinschaftsräume wie unsere Kinderstube, das Cinemaxi (Kino), das Fitnessstudio, das Musikzimmer oder die Camperlounge müssen leider bis auf weiteres geschlossen bleiben. Es wurden zusätzliche Desinfektionsmittelspender aufgestellt, Vorkehrungen in den Sanitäranlagen (wie Abdeckungen auf jedem zweiten Waschbecken) getroffen, und Reinigungsprotokolle erstellt. Duschräume und sanitäre Anlagen werden bei uns grundsätzlich nur in dem Maße geöffnet, wie wir für die Sauberkeit und Hygiene garantieren können. 

Zudem erfolgte bei jedem Mitarbeiter eine Unterweisung über die neu geltenden Vorschriften und das Personal muss sich zweimal wöchentlich (Montag und Donnerstag) einem Corona-Schnelltest unterziehen. Des Weiteren bringt natürlich jeder Gast ein offizielles, negatives Testergebnis mit, welches nicht älter als 48 Std. sein darf und auch die Anmeldung erfolgt durch die Luca-App. Demnach muss sich jeder Gast, egal ob Urlauber oder Dauercamper, bei Betreten des Geländes, sowie in ausgeschriebenen Bereichen, mit der Luca-App einchecken. Mit ihrer Hilfe kann eingesehen werden, wo sich der Gast wann befand, sodass wir im Falle einer Infektion mit der Pandemie schnell gehandelt und die Infektionskette nachvollzogen werden kann. Alle Daten zu Besucherzahlen, Testergebnissen und besonderen Vorkommnissen werden dokumentiert und gespeichert, sodass sie auf Anfrage an das Gesundheitsamt übergeben werden können.

#4: Welche Herausforderungen gab es in der Planung des Hygienekonzeptes und welche Herausforderungen seht ihr für die Umsetzung?

Eine große Herausforderung war vor allem, die ausführlichen und sehr langen Hygienekonzepte leicht verständlich und überall sichtbar für unsere Gäste und Dauercamper zu machen. Man muss alle wichtigen Informationen direkt weitergeben und möglichst wenig Fragen offenlassen, was wir durch ein Infoschreiben an alle Gäste und Dauercamper gelöst haben. Allerdings muss auch dies in einem Rahmen geschehen, der für alle ersichtlich bleibt. Zu viele Informationen oder zu viele Schilder und Hinweise an allen Orten werden irgendwann nicht mehr gut genug aufgenommen, sodass man sich auf wesentliche Aspekte konzentrieren muss. Außerdem stellte natürlich der hohe Aufwand einige Schwierigkeiten dar. Nicht nur die logistische und theoretische Planung des ganzen war eine Herausforderung, sondern auch die Umsetzung. Es müssen Schnittstellen zur Weitergabe der Testergebnisse geschaffen werden, alles muss sauber dokumentiert und gespeichert werden und generell ist es natürlich schwierig, nicht den Überblick zu verlieren.

© Photo: Ostsee-Campingplatz Familie Heide (https://www.waabs.de/)

Vorbereitung des Modellprojekts

#5: Wie umfangreich ist der bürokratische Aufwand?

Der bürokratische Aufwand, den die Maßnahmen zur Umsetzung des Projekts mitbringen, ist natürlich für alle sehr hoch. Die Schwierigkeit bestand zuerst natürlich aus der Erstellung des Hygienekonzeptes, allerdings ist die Umsetzung der weitaus schwierigere Teil. Ein Konzept zu planen und schreiben ist nur Theorie und Vorbereitung, die Umsetzung muss aber auch in der Praxis gut funktionieren können. Geprägt ist das Modellprojekt natürlich primär durch Kontrollen und Dokumentation, welche von uns erbracht werden müssen. Durch das Konzept entstehen so viele neue Aufgaben und vor allem mehr Bürokratie, die die Mitarbeiter zusätzlich zu der alltäglichen Arbeit leisten müssen. Testausweise werden ausgestellt, die Anmeldung der Luca-App muss konsequent durchgesetzt werden, Einverständnis- und Verpflichtungserklärungen müssen eingeholt und dokumentiert werden und nebenbei müssen auch noch stichprobenartige Kontrollen durchgeführt werden. Trotz des hohen Mehraufwands sind wir aber natürlich froh, dass die Umsetzung bis jetzt sehr gut funktioniert. Wir setzen dabei natürlich auch unser Vertrauen in unsere Gäste und appellieren an das gute Gewissen und die strenge Befolgung aller nötiger Maßnahmen.

#6: Welche Veränderungen müssen an der Infrastruktur eures Geländes vorgenommen werden? Welchen Faktor könnten hierbei digitale Lösungen spielen?

Unser Hygienekonzept verlangt zum einen Abstandmarkierungen auf den Böden, Hinweisschilder an und in allen nötigen Bereichen sowie Wegweiser, um die Abstände und die Verteilung der Touristenströme coronakonform zu lenken. Außerdem müssen natürlich an jeglichen Orten Desinfektionsmittelspender  bereitgestellt werden. In den Sanitäranlagen ist das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes Pflicht und wir haben zudem jedes zweite Waschbecken abgesperrt. Auch in der Waschküche, im Waschmaschinenraum und in der Gemeinschaftsküche - also überall, wo viele Menschen aufeinander treffen - ist nur eine beschränkte Personenzahl erlaubt. Des Weiteren dürfen Kinder auf unseren Spielplätzen nur unter Aufsicht Erwachsener spielen, um sicherzustellen, dass Abstände eingehalten werden. 

Digitale Lösungen spielen für das Modellprojekt insofern für alle Beteiligten eine große Rolle, als das nicht nur die Gäste  sich per Smartphone über die Luca-App anmelden können, sondern auch im Hintergrund  viele Vorgänge digital ablaufen müssen, um effizient und sorgfältig arbeiten zu können. Abhilfe schafft uns dabei unser Buchungsprogramm easycamp, aber auch Excel. Durch unser Buchungsprogramm ist es möglich, automatisch Testausweise für jeden Stellplatz mit Namen, Handynummern und allen anderen wichtigen Daten ausstellen zu können. Mithilfe von Excel-Tabellen werden jegliche Testzeiten und -ergebnisse dokumentiert, sodass eine Kontrolle mit einem Blick möglich ist. Dies erspart uns viel Zeit, da nicht viel handschriftlich dokumentiert werden muss, sondern vieles automatisch erfolgt und angezeigt wird.

Umsetzung des Modellprojekts

#7: Welche Funktion nehmt ihr  bei den Testungen ein?

Wir haben das große Glück, ein Corona-Testzentrum auf unserem Gelände zu haben, sodass unsere Gäste, aber auch alle anderen, keinen weiten Weg aufbringen müssen, um sich testen lassen zu können. Das Zentrum steht auf unseren eigentlichen Wohnmobilstellplätzen und es ist somit unsere Aufgabe, die allgemeine Infrastruktur bereitzustellen. Um einen reibungslosen Testverlauf gewährleisten zu können, wurden von uns Testcontainer aufgestellt und auch die Innenausstattung, wie Stühle, Tische und Desinfektionsmittelspender wurden von uns bereitgestellt. Für die Testungen an sich sind wir jedoch nicht zuständig, diese Aufgabe übernimmt der Landarzt Herr Petzold.

#8: Wie stellt ihr sicher, dass alle Camper sich alle drei Tage testen lassen? Wie wird kontrolliert?

In unserem Buchungsprogramm wird automatisch ein Testausweis generiert, der durch einen Querverweis in unserem Programm dokumentiert wird. Auf den Testausweisen befinden sich die nächsten Termine, zu denen sich der Gast zur Testung einfinden muss (diese sind bei uns hinterlegt). Wurde ein neuer Test durchgeführt, empfangen wir von unseren Gästen das Testergebnis in der Tourist-Information. Dieses wird dort hinterlegt und abgestempelt. Sollte sich ein Gast nicht gemeldet haben, fällt das direkt auf und fehlende Tests werden sofort eingefordert. Wenn sich der Gast trotz vorheriger Einwilligungserklärung weigert, einen Test durchführen zu lassen, muss dieser leider das Gelände verlassen. Fällt ein Test positiv aus, erfolgt ebenfalls das Verlassen das Geländes, die Nachverfolgung der Infektionskette und selbstverständlich eine Meldung beim Gesundheitsamt, sodass alle möglichen Kontaktpersonen informiert und ggf. Maßnahmen eingeleitet werden können.

© Photo: Ostsee-Campingplatz Familie Heide (https://www.waabs.de/)

#9: Könnt ihr euren Platz voll auslasten oder gibt es Beschränkungen bei den Besucherzahlen?

Der Platz kann durch die sowieso schon vorhandene Parzellierung aller Stellplätze komplett ausgelastet werden, sodass es keine Beschränkungen der Besucherzahlen gibt. In der Verordnung über Camping- und Wochenendplätze (CWVO), an die auch wir uns natürlich streng halten müssen, sind klare Abstandregelungen festgehalten, sodass alle coronabedingten Abstandsgebote schon im Vorhinein eingehalten werden. Außerdem gilt natürlich auch bei uns überall die Landesverordnung zur Bekämpfung des Coronavirus, was jegliche Arten der Zusammenkunft regelt, sodass Gruppenbildungen vermieden werden.

#10: Gibt es Dinge, die auch zukünftig genutzt werden können, für die Zeit nach der Pandemie? Was habt ihr aus der Pandemie und dem Modellversuch gelernt? Chancen für die Zukunft?

Inwieweit wir jetzige Maßnahmen oder Vorgänge auch für die Zeit nach der Pandemie nutzen können, ist noch unklar. Wir befinden uns seit der Bewerbung als Modellregion in einem Lernprozess und sammeln jeden Tag neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Wir wissen zwar noch nicht, was wir bis zum Ende des Modellprojekts gelernt haben, doch das werden  die nächsten Wochen zeigen. Das Modellprojekt ist natürlich eine große Chance, den Tourismus wieder zurückzubringen und neu aufleben zu lassen, allerdings ist uns auch die Verantwortung bewusst, die das alles mit sich bringt. Sämtliche Ergebnisse, die aus diesem Modellprojekt gezogen werden können, werden entscheidend für die nächsten Monate und vor allem für den Sommer sein. Nicht nur wir, sondern auch sämtliche Regionen und Betriebe in ganz Deutschland, möchten wieder ganz für ihre Gäste da sein und ihre Plätze öffnen können, weshalb wir bemüht sind, unsere Hygienekonzepte mit bestem Gewissen und stets verantwortungsvoll umzusetzen.

BOYOCA bleibt dran!

Vielen Dank, liebe Nina, dass du eure ersten Erfahrungen als Modellprojekt so ausführlich mit uns geteilt hast! Wie das Modellprojekt in der Praxis angelaufen ist, erfahrt ihr im 2. Teil. BOYOCA wünscht dir und dem Campingplatz Fam. Heide bis dahin weiterhin alles Gute und ganz viel Erfolg zum Start des Modellprojekts!

😍 Bis zum 2. Teil könnt ihr die Eindrücke vom Ostseecamp Familie Heide genießen, die wir für euch beim Besuch festgehalten haben:

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