Die Geschichte des Campings

Letztes Jahr wurden allein in Deutschland mehr als 26.100 Caravans und etwa 42.200 Reisemobile neu zugelassen. Für rund 11 Millionen Deutsche ist der Campingurlaub der Favorit unter den Urlaubsreisen, um - wenn auch nur vorübergehend - der Routine und dem Stress des trägen Alltags zu entfliehen. Das Zelt irgendwo aufstellen, Holz hacken, ein Feuer machen und über der lebendigen Flamme kochen – all das hat im Ursprung eine ansteckende Freiheit und Glückseligkeit, die einhergeht mit der prägenden Verbindung zur Natur und einem abenteuerlichen Lebensgefühl. Auf der Suche nach dem reinsten Seelenfrieden, irgendwo zwischen der Lust auf eine neue Herausforderung und der gewissenhaften Vertrautheit mit der Natur gelegen, findest du in einem Campingplatz dein vorübergehendes oder gar dauerhaftes Zuhause - buchstäblich und bildlich offen für die Reize der natürlichen Umgebung. Deine eigenen vier Wände mit 360° Panorama.

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Doch wie kam es überhaupt zu der minimalistischen und fast rückläufigen Idee, freiwillig sein komfortables Zuhause zu verlassen, um in der Wildnis auf hartem Boden unter den Sternen zu schlafen und über einem rauchigen Feuer Essen zu kochen? Hier erfahrt ihr, wie das moderne Camping seinen Anfang nahm!

Zurück ins 19. Jahrhundert

Bevor wir uns auf die Reise zur Entstehung des Campings in Deutschland begeben, lasst uns die Zeit zunächst einmal bis auf 1861 zurückspulen. Auf den Spuren des Campings landen wir nämlich zunächst in den USA. Genauer gesagt in Washington, Connecticut. Hier entsteht nämlich das erste organisierte amerikanische Lager – das „Gunnery Camp“. Frederick W. Gunn und seine Frau Abigail betreiben eine Jungenschule und nehmen die ganze Rasselbande im Jahre 1861 auf eine zweiwöchige Reise mit, wo Wandern, Angeln, Naturbeobachtungen und natürlich Kochen über einem selbstgemachten Feuer auf dem Plan stehen. Ist dies die Geburtsstunde des Campings?

© American History USA.

Es findet definitiv schon Aufmerksamkeit und Erwähnung. 1869 veröffentlicht William Henry Harrison Murray, Vater der Outdoor-Bewegung, „Camp-Life in the Adirondacks“. Diese Publikation betont die Einzigartigkeit und Schönheit, das Abenteuer und sogar die medizinischen Vorteile des Campings in den Adirondacks, ein Gebirge im nordöstlichen Teil von New York. Ich denke, da sind wir uns alle einig: Campen ist eben schlichtweg Balsam für die Seele, oder?

Die Publikation von Murray hatte in den Amerikanern nun die Campinglust geweckt. Innerhalb von fünf Jahren nach der Veröffentlichung werden in den USA um die 200 Camps errichtet, nicht zwingend Zeltcampingplätze, sondern viele Familienzusammenkünfte mittels Hütten. Bootfahren ist zudem der letzte Schrei, und damit einher geht auch das Campen. Vor allem die Themse im Vereinigten Königreich scheint in den 1880er Jahren der ideale Ort dafür zu sein. Die Leute benutzen ihre Boote zum Transport von Ausrüstung oder sogar als Lagerplatz.

Diese Art der Freizeitbeschäftigung führt dank des Briten Thomas Hiram Holding, der heute auch als "Vater des modernen Campings" bekannt ist, zu einer geplanten und durchsetzungsfähigen Revolution dieser Aktivität. Bereits im Alter von 9 Jahren reiste der junge Holding mit seiner Familie für mehrere Wochen am Ufer des Mississippis entlang und war derart begeistert vom Zelten, dass der Outdoor-Enthusiast 1901 das Buch „Cycle and Camp in Connemara“ und sieben Jahre später „The Campers Handbook“, das erste Camping-Handbuch der Welt, veröffentlicht. Seinem ersten Buch ist es zu verdanken, dass die „Association of Cycle Campers“ entsteht - die erste populäre Campinggruppe.

© Camping and Caravaning Club.

Camping in Deutschland

In Deutschland findet Camping erst etwas später das erste Mal Erwähnung. Anfang des 20. Jahrhunderts bilden sich nach dem Vorbild der 1901 vom Schüler Karl Fischer begründeten Wandervogelbewegung zahlreiche Wandervereine, deren zumeist junge Mitglieder am Wochenende in die Natur spazieren. Hauptsache ohne Eltern, dafür mit Rucksack und Gitarre. Gekocht wird Open-Air, übernachtet in Zelten oder ebenfalls unter freiem Himmel und die Jugendlichen genießen es, zum ersten Mal selbst über sich und ihr Leben zu bestimmen. Kommt einem eventuell bekannt vor, nicht wahr?

Schon bald schlagen immer mehr Menschen ihr Zelt auf der Bauernwiese oder am nächsten Fluss auf. Auch in Deutschland ist Bootfahren der Hit, und Faltboot- und Kanuvereine entdecken das Camping für sich. Der Zelturlaub gilt hierzulande zu dem Zeitpunkt zwar noch als "Urlaub des kleinen Mannes", hat jedoch mit dem Aufschwung der Golden Zwanziger ebenfalls einen gigantischen Aufschwung vor sich.

Nach dem Ersten Weltkrieg kann sich der Otto Normalverbraucher nämlich nun erstmals Urlaub leisten, zuvor hatten Arbeitnehmer gar keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub. Heutzutage nahezu unvorstellbar, oder? Logischerweise zieht es jetzt jeden vor die Tür, um sich in der Natur erholsame und kostengünstige Tage zu gönnen. Es entstand die sogenannte „Wochenendbewegung“. Zum campen gehören hier jedoch noch keine „fancy gadgets“ wie Nanopresso oder digitale Grillzange.

Die Faltboot- und Kanuvereine samt Anhänger des Sports sind es übrigens auch, die die Campingausrüstung nach und nach entwickeln. Die Faltbootpioniere Carl Joseph Luther und Hans Berger (Firma Sport Berger) erfinden den Daunenschlafsack und die Luftmatratze. Dinge, die wir Camper bis heute nicht missen möchten.

Die Geburt des Wohnwagens und VW-Bullis

Der Zweite Weltkrieg unterbricht das wiederentdeckte Campingglück, doch unmittelbar nach Kriegsende und dem einsetzenden Wirtschaftswunder können sich die meisten wieder Urlaub leisten und die ersten richtigen Campingclubs werden gegründet. Damals herrscht echte Aufbruchsstimmung, denn die Leute realisieren: Mensch, wir können ja wieder verreisen und wegfahren! Ein Gefühl, das für uns heute normalerweise selbstverständlich ist (wenn da nicht unser Reisefreund namens Corona wäre).

© picture alliance/dpa-Bildarchiv.

Die Industrie beginnt zudem allmählich, sich auf Camping zu spezialisieren: Campingkocher und Klappstühle werden entwickelt, um das Leben in der "Stoffvilla" (Zelt) oder dem "Haus am Haken" (Wohnwagen) zu verbessern. Fun Fact: Wusstest du, dass der von Hans Berger 1931 erfundene deutsche Wohnwagen – damals Wohnauto genannt – auf eine Liebesgeschichte zurückgehen soll? Die Malerin Friedel Edelmann hat keine Lust mehr auf die ständigen Geschäftsreisen ihres Verlobten, Skistock-Hersteller Arist Dethleffs. Sie möchte nicht die ganze Zeit alleine Zuhause sein, sondern würde gerne mitfahren. Auch Dethleffs sagt sich „nicht ohne meine Familie“ und gesagt, getan - schon bald reisen Frau und Kind im selbst gebauten Wohnwagen mit. Das Zuhause zum Mitnehmen hatte sogar eine energiesparende Waschmaschine an Bord. Schon bald ziehen andere Hersteller wie Volkswagen nach. Bereits 1950 begann die Produktion des ersten in Serie produzierten Kleinbusses: Der "Bulli T1" startete seine Erfolgsgeschichte als unseren bis heute endlos geliebten und nostalgischen VW Busses.

Camping nach der DDR

Zur Zeit der Wende um 1990 erfährt die mobile Campingbranche eine erneute große Beliebtheit und Nachfrage. Die Mauer fällt – und somit wird die Hoffnung auf den Abbau unüberwindlicher Grenzen auf metaphorische Weise endlich zur Realität. Die Deutschen wollen jetzt nur noch eins: Ab in ihr Wohnmobil und die große Freiheit genießen! Die Grenzen zur DDR und zur ehemaligen Sowjetunion sind wieder geöffnet, es gibt viele verpasste Reisen nachzuholen: Westdeutsche zieht es überwiegend in den Spreewald, Ostdeutsche dagegen wollen die mächtigen Alpen endlich einmal mit eigenen Augen bestaunen. Neben Deutschland sind zudem auch die CSSR und der ungarische Plattensee beliebte Campingziele der Ostdeutschen.

© Klaus Zwingenberger, PixelPower, photofranz56

Während in den 1960ern und 1970er Jahren bunte Camper einst Ausdruck von Unabhängigkeit, Flower-Power-Freiheit und gesellschaftlicher Revolution waren, erlebt der Wohnmobilmarkt in den darauffolgenden Jahrzehnten mehrere Höhen und Tiefen. Camping-Reisen werden lange Zeit gegen günstige und komfortable Pauschalreisen eingetauscht. Lieber All-inclusive-Hotel als Urlaub im Freien? Nicht mit uns: Seit 2015 gewinnen Wohnmobile wieder stark an Beliebtheit und Camping ist für uns mehr als nur ein Trend geworden. BOYOCA möchte den Campingmarkt endlich vollständig in das digitale Zeitalter integrieren und sich somit neben Holding, Murray & Co. ebenfalls einen Platz in der Geschichte des Campings sichern.

Fazit: Camping ist mehr als nur ein kurzlebiger Trend

Die verfügbaren Grundlagen und die Verbreitung unseres liebsten Hobbys haben sich zwar gewandelt und auch Beweggründe und Häufigkeit unterscheiden sich von Camper zu Camper. Doch eins wird für uns Camper immer gleich bleiben: Das vollendete Lebensgefühl von Freiheit und die magische Naturverbundenheit. Lasst uns gemeinsam hoffnungs- und erwartungsvoll in die Zukunft des Campings schauen!

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